DIE MANÖVRIERFÄHIGKEIT DER SEGELKRIEGSSCHIFFE
Meine Forschung geht darauf, die Zeiten festzustellen, die die
Segelkriegschiffe zum Lavieren und zum Halsen benötigen, ebenso die
Wendekreise (besonders unter Kampfverhältnissen) von Fregatten und
Linienchiffen. Meine Hauptinteresse bezieht sich auf Shiffe aus Napoleons
Zeiten, aber leider ist die Information spärlich und widersprechend,
und daher muß ich meine Forschung auf alle Schiffe und auf frühere und
spätere Zeiten ausdehnen - bis 1860, dem Zeitpunkt als
Segelkriegschiffe zuende gingen. Bis jetzt weiß ich:-
LAVIEREN
Andereseits, beschreibt James H. Ward (USN) in seinem 'Manual of Naval
Tactics' (1859) Shiffe die in Kielwasser segeln und nacheinander lavieren.
Das sind dann wahrscheinlisch Linienschiffe. Dazu sagt er:
In seiner 'Geschichte von der französichen Fregatte', beschreibt
Boudriot wie eine Fregatte in den 1780ern laviert. So ein Schiff hatte eine
Länge von etwa 40 m und es wäre zu erwarten, daß es
schnellzu wenden wäre. Jedoch lavierte es mit einer anfänglichen
Geschwindigkeit von 3 m/sek in 5 oder 6 Minuten - noch langsamer als Wards
Linienschiffe.
In der Zeitschrift 'Mariner's Mirror' (Nov 1999) stand daß das
1860 Panzerschiff 'The Warrior', in 7 minuten in leichtem Wind lavierte.
'The Queen' 1839 (110 kanonen) lavierte in 3,5 Minuten bei mildem
Wetter. (3)
Eine Brigg, 'Pantalon' (1831):- HALSEN Andereseits, Fincham, in 'History of Naval Architecture' (1851) berichtet
ein Experiment in dem drei Schiffe, mit 80, 50 und 40 Kanonen alle
ungefähr 6 Minuten zum Halsen brauchten, aber die Geschwindigkeit war
nicht angegeben.
Gardineres 'Virtuose' Niger halst in viermal seiner eigenen Länge
(etwa 38M), aber Zeit und Geschwindigkeit waren wiederum nicht angegeben.
In der Zeitschrift 'Mariner's Mirror' (Nov 1999) stand auch daß
das 'The Warrior' in 48 Minuten halste. Erstaunlisch! (1) Aber in einem
stärker Wind halste es in 16 Minuten (2).
Das ist leider alles, was ich über Lavier- und Halszeiten habe
erforschen können. Es ist erstaunlich, daß die englischen Zeiten
bei Manovern halb so lang wie die französichen sind, denn es ist noch
niemanden eingefallen, die Französen seien schlechtere Matrosen als
die Englander. Soviel ich weiß, sind die englischen und
amerikanischen Daten von den Mannschaft zusammengestellt und geben nur die
bloßen Wendezeitn an, vom Wendeanfang bis zum neuen Kurs. Es kann
sein, daß die französichen die volle Zeit vom ersten Befehl bis
zur Rückkehr zu normalen Diensten einbeziehen. Wenn nur die englischen
und die französichen Kapitäne mehr Lust gehabt hatten, alle
Einzelheiten der Lavier- und Halszeit aufzuzeichnen, so wäre meine
Forschung erheblich einfacher!
WENDEKREISE
FORSCHUNGSARBEIT Dr Harland, Fachmann und Verfasser von 'Seamanship in the Age of Sail'
(Seemannskunst im Zeitalter der Segelschiffe) hat mir freundlicherweise
geantwortet, er hätte in seinen Forschungen nirgends etwas
Befriedigendes über dieses Thema gefunden. Er hätte dann Fragen
im Internet aufgebracht, jedoch soviel ich weiß ohne Erfolg.
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In seinem Werk 'Das Kriegschiff von 74 Kanonen' (4 Band), sagt J.
Boudriot:
"Bei einer anfänglichen Geschwindigkeit von 4,5 m/sek, kann ein
Schiff in 9 min 20 sek lavieren." (Bei anderen Geschwindigkeiten, brauchen
die Schiffe entsprechend mehr oder weniger Zeit dafür.)
"Bei mittelmäßiger Geschwindigkeit etwa 3m/sek, lavieren
wenige oder gar keine modernen Schiffe und Geschwindigkeit
vergrößern in weniger als 3 oder 4 Minuten." Und auch:-
"4 Minuten ist nicht lang zum Wenden."
Was er sagt, weist eher darauf hin, daß er zwar von keinen
Schiffen wußt, die so schnell lavierten, aber es doch für
möglich hielt. Diese Zeiten sind viel kürzer als die von
Boudriot. Anderseits James hat James eine Anmerkung:
"Vor 20 Jahren, drehten sich diese Schiffe wie die
Fässer", was zeigt, daß diese Schiffe zu der Zeit in
unter 3 oder 4 Minuten lavieren konnten.
Gardiners 'Die Ersten Fregatten' nennt Niger 1757 einen 'Virtuosen',
der in seiner eigenen Länge lavierte, aber eine Zeit gibt er nicht an.
'lavierte nach Signal' - 10.43,
'Segel getrimmt' - 10.49.
Sechs Minuten scheint lang für eine
Brigg zu lavieren, aber vieleicht war das die ganze Betrieb - wie Boudriots
Fregatte?
J. Boudriot
schreibt daß bei einer anfänglichen Geschwindigkeit von 4,5
m/sek, ein 74er Schiff in 12 Minuten halsen kann, und er nennt Beispiele
bei anderen Geschwindigkeiten.
Hierüber habe ich nur recht zweifelhafte Berechnungen gefunden,
die aus Beschreibungen von Kampfmanövern kommen. Es kann sein,
daß Wenderkreise ebenso ausfallen wie der Radius beim Halsen. Das
wären dann etwa 300m sogar bei Finchames Schiffen - nicht gerade die
schnellste Wendung, auf die man beim Kampf hofft. Angenommen daß die
Halszeit von viermal Schiffslänge nicht die gesegelte Strecke sondern
den nötigen Seeraum ergibt (oder die Strecke, die im Manöver
veloren ging), dann hatte 'Niger' mit einer 40m Länge, einen
Wenderadius von etwa 80m.
All das
habe ich in der Bibliothek des National Maritime Museum in Greenwich,
London gefundenen. Weiter habe ich im 'Public Record Office' in Kew, London
in einigen Kapitänslogbüchern nachgeschlagen. Bei meinem Besuch
im Schiffsmuseum in Rotterdam war der Direktor sehr hilfreich.
Außerdem habe ich mit den hauptsächlichen Schiffsmuseen in
America korrespondiert, jedoch ohne Erfolg. Es gelang mir noch nicht, die
Bibliotek des 'Musée de la Marine' in Paris zu besuchen. Ob sich eine Reise
dahin lohnt?
Man versichert mir daß es unmöglich sei, genaue Zeiten
anzugeben, denn sie wären abhängig von dem Schiff, der
Mannschaft, dem Wind, des Seegangs usw. Natürlich hängt es vom
Schiff ab - ein Fregatte sollte schneller als ein Linienchiff sein, und von
beiden bekäme man schnellere und langsamere Beispiele. Man muß
schon eine erfahrene Mannschaft voraussetzen. Boudriot zeigt, wie ein
stärkerer Wind eine schnellere Wendung gibt. Alles in allem sollte man
aber eine vernünftige Wendezeit für eine bestimmte Schiffsklasse
feststellen können, mit entsprechenden Abweichungen, besser oder
schlechter.
In den 'Reports on the Sailing Qualities of Ships' (Public Record
Office, Kew, London) findet man Berichte von Kapitänen wie 'Halst
langsam'; 'Laviert schnell'; 'Lang im Wenden'; u.s.w. Das zeigt daß
man die Maße genommen hatten, um zu diesen Meinungen zu gelangen,
obwohl Zeiten, die sie zu diesen Vergleichen nötig hätten, nie
zitiert sind.